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Naturkunstprodukte: Zur Geschichte der Nutzung und des Verbrauchs natürlicher Ressourcen in der Industriemoderne

Agrarische Arbeit ist menschliche Interaktion mit der lebendigen Natur, mit dem Boden, mit Tieren und Pflanzen. Diese Interaktion konstituiert zugleich Kultur, wie auch am Begriff der «Agrikultur» ersichtlich wird. Die Arbeit mit, an und zuweilen auch gegen die Natur bringt neben Kulturlandschaften und Biodiversität auch Nahrungs-, Werk- und Rohstoffe hervor, die ab der Mitte des 19. Jahrhunderts unter anderem mit dem Neologismus des «Naturkunstprodukts» zu beschreiben versucht wurden. Beide Begriffe, «Agrikultur» und «Naturkunstprodukt», unterlaufen in ihrer Semantik die für das moderne westliche Denken so wirkmächtige Dichotomie von Kultur und Natur und verweisen zugleich auf die dazwischenliegenden Interaktionen und Interdependenzen.

Kein anderer historischer Basisprozess hat diese ebenso von natürlichen Voraussetzungen wie kulturellen Eingriffen geprägten Wechselwirkungen so stark verändert wie die Industrialisierung im 19. und 20. Jahrhundert. Der mit der thermo-industriellen Revolution möglich gewordene Zugriff auf fossile Ressourcen schuf die Voraussetzung einer neuartigen räumlichen und zeitlichen Strukturierung des Herstellungsprozesses von Gütern und brachte damit eine ökonomische Handlungslogik hervor, die sich zunehmend am Paradigma des effizienten Verbrauchs orientierte. Die landwirtschaftliche Produktion demgegenüber blieb aufgrund ihrer nicht zu kappenden Bindung an biotische Ressourcen mit ihren Reproduktionszyklen in Nutzungslogiken eingebettet. Damit wurde ein für die Industriemoderne dynamisches Spannungsfeld vielfältiger, bisweilen auch konfliktreicher wirtschaftlicher und kultureller Umgangsformen mit der Natur geschaffen.

Dieses Panel thematisiert den Wahrnehmungs- und Erfahrungswandel von Natur als nutz- und/oder verbrauchbarer Ressource und fragt nach den sich wandelnden Formen des wirtschaftlichen und kulturellen Umgangs mit natürlichen Ressourcen in der Industriemoderne: Inwiefern veränderte der Industrialisierungsprozess die Wahrnehmung von und den Umgang mit Natur als Ressource wirtschaftlichen Handelns? Welche Vorstellungen und Praktiken der Nutzbarmachung von Natur brachte die Überlagerung eines solar-biotischen durch ein fossilenergetisches Ressourcenregime hervor? In welchen sprachlichen Benennungspraktiken und wirtschaftlichen Umgangsformen artikulierten sich Potenziale, Differenzen und Gemeinsamkeiten im Umgang mit unterschiedlichen Formen der natürlichen Ressourcen? Wie imprägnierte der Industrialisierungsprozess die kulturellen Vorstellungen von Zeitlichkeit und Endlichkeit, Effizienz und Nachhaltigkeit, Fortschritt und Entwicklungsbedürftigkeit? Inwiefern ermöglicht eine historische Sondierung dieser Sachverhalte auch eine geschärfte Problemwahrnehmung der Energie-, Umwelt-, Agrar- und Ernährungsfragen der Gegenwart?

Vorgesehene Referate:

Dr. Peter Moser (Archiv für Agrargeschichte, Bern)

Dr. Juri Auderset (Universität Fribourg/Archiv für Agrargeschichte, Bern)

Es steht noch ein Platz zur Verfügung, der durch den Call for Papers zu bestimmen ist.

Responsabilité