Wissen und Hierarchie. Lokale und transnationale Dimensionen militärischer Wissensordnungen im 19. und 20. Jahrhundert
vendredi, 8. février
10:30 jusqu'à 13:00 heures
Salle 3120
Das Panel will kultur-, sozial- und geschlechtergeschichtliche Forschungsperspektiven auf das Militär mit neueren Ansätzen der Wissensgeschichte zusammenbringen. Militärische Wissenssysteme und -netzwerke, Institutionen oder Räumlichkeiten sind geeignete Untersuchungsobjekte, um lokale und transnationale Dimensionen von Wissensproduktionen und -zirkulationen zu verbinden. Einerseits stellte das Militär ein Laboratorium für wissenschaftliche Erkenntnisse dar. Andererseits ist das Militär eine soziale Organisation, in der Wissen angewendet und Wissens- und Geschlechterordnungen vermittelt wurden.
Wissen ist eine Kategorie mit universalem Geltungsanspruch. Gleichzeitig ist Wissen aber von lokalen Kontexten geprägt. Sei es das Labor, das Archiv oder eben die Kaserne – lokale Settings spielen in der Entstehung von Wissen eine konstitutive Rolle. Auch die Zirkulation von Wissen ist entgegen der Beschwörung einer globalen Wissensgesellschaft an institutionelle, räumliche, mediale und politische Bedingungen gebunden. Das Militär bietet einen geeigneten „epistemischen Raum“ (Rheinberger), um die Frage nach Machtverhältnissen und Hierarchien in die Wissensgeschichte zu integrieren.
In der Schweiz war die Armee bis 1874 (und teilweise auch danach) stark lokal verwurzelt. Ähnliches gilt für andere europäische Länder. Gleichzeitig prägten transnationale Vernetzungen diese Institutionen. Militärs beteiligten sich an internationalen Kongressen, begegneten sich bei Manövern oder waren Mitglieder in Fachorganisationen anderer Länder. Militärisches Wissen bzw. Wissen im Militär kann nur aus solchen dialogischen Bezügen verstanden werden. Besonders wichtig wurde diese Zusammenarbeit durch den europäischen Kolonialismus. Auf Grund der oft geringen Präsenz in den Kolonien war man auf das Wissen anderer Kolonialmächte angewiesen. Diese Überschneidungen machen das Militär zu einer zentralen, bis heute kaum untersuchten Instanz der Wissensgesellschaft
Responsabilité
Intervenantes
Interventions
- Von der Geomorphologie des Aargau zu den militärischen Pathologien Europas. Das Militär als Schnittpunkt anthropologischer Krisendiskurse, 1860-1900.
- Du local au global : les médecins militaires français, l’expérience algérienne et les réflexions sur les « maladies des pays chauds »
- Die Produktion von Opfern: Medizin und Krieg im langen 19. Jahrhundert
- Blut im Kalten Krieg. Blutspendedienst, Blutgruppenforschung und totale Landesverteidigung in der Schweiz, 1945-1960.
- Commentaire dans le panel Wissen und Hierarchie. Lokale und transnationale Dimensionen militärischer Wissensordnungen im 19. und 20. Jahrhundert













