Die Genese der agrarisch-industriellen Wissensgesellschaft. Wissenschaftliche Theorien und Praxiswissen in der Nutzung von Tieren und Pflanzen (18.-20. Jahrhundert)
vendredi, 8. février
14:30 jusqu'à 17:00 heures
Salle 2120
Wissenschaftliche Theorien erheben implizit einen globalen Geltungsanspruch. Die Umsetzung von akademisch abgesichertem Wissen findet jedoch in der Regel in lokalen Kontexten statt, in denen auch Praxiswissen zum Tragen kommt. Je nach Kontext kann sich die Transformation von wissenschaftlichem Wissen daher ganz unterschiedlich gestalten.
Die Komplexität des Umgangs mit lebenden Ressourcen steht im Zentrum des Erkenntnisinteresses der neueren Agrargeschichte in der Schweiz. Dabei wird klar, dass sich das Untersuchungsfeld durch eine Pluralität von Wissensformen auszeichnet und die Wissenszirkulation und -vermittlung nicht nur eingleisig, sondern auch rekursiv verläuft. Thematisiert wird, dass nicht nur ETH-Agronomen, sondern auch Dienstboten, Bäuerinnen und Bauern mit ihren je eigenen Kenntnissen im Umgang mit lebenden Ressourcen daran beteiligt waren, das Profil der sich seit dem späten 18. Jahrhundert herausbildenden agrarisch-industriellen Wissensgesellschaft zu schärfen.
Die Beiträge des Panels thematisieren die Genese der agrarisch-industriellen Wissensgesellschaft, indem sie an Hand des Buchhaltungswesens und der Tierzucht die Interdependenzen und Relationalität von unterschiedlichen Wissensformen nachzeichnen. Es wird danach gefragt, welche Akteure sich wie mit der Nutzung von Tieren und Pflanzen befassten, wie sie ihr Wissen in die Praxis einbrachten und auf welche Widerstände sie dabei stiessen. Eine These lautet, dass sich das wissenschaftliche Wissen vornehmlich nach der Logik der Industriegesellschaft ausformte, während seine Transformation in konkretes Praxiswissen im Agrarischen an den Eigensinn des Lebenden gekoppelt war. Daher resultierte in der Praxis der Agrarmodernisierung weit mehr als lediglich eine Industrialisierung der Landwirtschaft.
Responsabilité
Modération
Intervenantes
Interventions
- Kritik der Praxis – Gelehrte, Bauern, Experimentatoren. Wie im 18. Jahrhundert um ökonomische Erfahrung gestritten wurde
- „Die Geschichtsschreibung aller Geschäftsvorfälle“? Über die Bedeutung und Auswirkungen des Buchführens auf Bauernbetrieben im 19./20. Jahrhundert
- Viehzucht vernetzt – Die Oekonomische Gesellschaft Bern und die Viehzucht in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
- Tierzucht und Ökonomien der Reproduktion: „Die Erbfaktoren verhalten sich, wie die Menschen, je nach ihrer Vergesellschaftung anders“













